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Herzschrittmacher 60 Schläge pro Minute können zu wenig sein

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Normalerweise wird bei einem Herzschrittmacher die Grundfrequenz auf 60 Schläge/Minute eingestellt. In gewissen Fällen kann aber eine höhere Frequenz besser sein.

Herzschrittmacher-Therapie: Höhere Grundfrequenz könnte in gewissen Fällen vorteilhaft sein

In der Schrittmachertherapie wird üblicherweise eine Grundfrequenz von 60 Schlägen/Minute eingestellt. Nun wurde eine Studie vorgestellt, die zeigte, dass eine individuell angepasste, höhere Grundfrequenz bei manchen Patienten vorteilhafte Auswirkungen haben kann.
Trotzdem ist das Ganze mit Vorsicht zu genießen.

Die Studie ergab, dass schrittmacherpflichtige Patient*innen, die an einer Herzinsuffizienz vom HFpEF-Typ leiden, von einer höheren Grundfrequenz bei der Schrittmacherprogrammierung profitieren.
Zu diesem Ergebnis kommt das Kardiolog*innen-Team um Dr. Margaret Infeld, University of Vermont in Burlington, in ihrer randomisierten, verblindeten myPACE-Studie.

Sie sagen: „In dieser Studie war eine Behandlung mit einer moderat beschleunigten, personalisierten Schrittmacherfrequenz bei Patienten mit HFpEF und einem implantierten Schrittmacher sicher und verbesserte Lebensqualität, NT-proBNP-Level, körperliche Aktivität und Vorhofflimmern im Vergleich zum gewöhnliche 60 Schläge-Setting“.

Normaler Herzschlag liegt um 75 Schläge/Minute

Normalerweise wird ja die Schrittmacherfrequenz standardmäßig 60 eingestellt. Doch der Ruhepuls bei Erwachsenen liegt im Schnitt zwischen 71 und 79 Schlägen pro Minute, stellen Dr. Infeld und ihr Team in der Publikation im JAMA Cardiology fest.
An dieser Einstellung wird festgehalten, um das Eintreten einer asynchronen Stimulation des rechten Ventrikels zu vermeiden. Wie bekannt, kann sich sonst eine schrittmacherinduzierte Kardiomyopathie entwickeln.

HFpEF-Patienten mit Schrittmacher könnten die Ausnahme sein

Das Myopathierisiko ist logischerweise auch den Forschenden bekannt. Trotzdem kommen die US-Kardiologen zu dem Schluss, dass es für gewisse Patienten eine Ausnahme geben könnte.
Patienten mit einer Herzinsuffizienz mit erhaltener Ejektionsfraktion (HFpEF) könnten zu den Kandidaten gehören, bei denen eine höhere Frequenz als 60 bpm indiziert ist.
Die US-Kardiologen geben zu bedenken, dass sich eine frequenzsenkende Behandlung in Studien wie SHIFT bei Patienten mit erhaltener EF neutral oder sogar nachteilig ausgewirkt habe.

Überdies gibt es Anzeichen dafür, dass eine moderat beschleunigte Herzfrequenz bei diesen Personen hämodynamische Vorteile mit sich bringen und zu einem kardialen Remodeling führen könnte.
„Ein andauerndes beschleunigtes Pacing könnte das linke Ventrikelvolumen, das Masse-Volumen-Verhältnis und die Dehnbarkeit des linken Ventrikels über die Zeit wiederherstellen und dadurch das Schlagvolumen verbessern“, berichten die Autoren über die Ergebnisse aus Tiermodellen.

Literatur

Infeld M et al. Effect of Personalized Accelerated Pacing on Quality of Life, Physical Activity, and Atrial Fibrillation in Patients With Preclinical and Overt Heart Failure With Preserved Ejection Fraction ThemyPACE Randomized Clinical Trial. JAMA Cardiol. 2023; doi:10.1001/jamacardio.2022.5320

Bildquellen

  • export-pexels-karolina grabowska-large: Pexels
Lesezeit ca.: 3 Minuten | Tippfehler melden | © Revision: 4. Februar 2023 | DocRiemenschnayder 4. Februar 2023

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